Zuletzt aktualisiert: April 2026 · Autorin: Darja Pilz, connactz
Quick Answer: Ein Musikerpresskit (auch EPK, Electronic Press Kit) ist die digitale Visitenkarte einer Band für Booker, Veranstalter, Presse und Labels. Gute Presskits liefern in unter zwei Minuten: Kurzbio, aktuelle Pressefotos, Streaming-Links, Live-Statistiken, Pressestimmen, technische Unterlagen. Für die meisten Bands reicht 2026 eine einfache, eigene Landingpage oder ein dedizierter Presskit-Dienst — wichtiger als die technische Plattform ist die Struktur und das, was drin ist.
Ein professionelles Presskit entscheidet häufiger über Gigs und Agentur-Zusagen, als Bands ahnen. Wer eine Booking-Anfrage schickt oder bei einer Agentur vorspricht, bekommt meist weniger als zwei Minuten Aufmerksamkeit des Empfängers. In diesen zwei Minuten muss alles Entscheidbare sichtbar sein — sonst landet die Anfrage in der untersten Prioritätsebene des Posteingangs. Wie ein EPK in eine Bewerbung bei einer Agentur eingebettet wird, steht im Leitfaden zur Booking-Agentur-Suche; der übergeordnete Kontext zu professioneller Band-Organisation im Musikmanagement-Leitfaden.
Die sieben Bausteine eines guten Presskits
Jeder dieser Bausteine kann fehlen — aber jeder, der fehlt, kostet Zusagen. Die Reihenfolge ist wichtig: Booker scrollen nicht weit, wenn der Einstieg nicht trägt.
1. Kurzbio — drei Varianten
Eine Kurzbio (50 Wörter) für schnelle Presse-Notizen, eine Mittelbio (150 Wörter) für Konzertankündigungen, eine Langbio (300 Wörter) für Features. Klare Genre-Zuordnung, konkrete Vergleichs-Bands, ein roter Faden über den musikalischen Weg. Keine Floskeln, keine dritten Personen mit überhöhten Adjektiven.
2. Pressefotos — hochauflösend und druckfähig
Drei bis fünf aktuelle Pressefotos in hoher Auflösung (mindestens 3000 × 2000 Pixel, 300 dpi) als Download. Ein Foto im Hochformat für Poster, zwei bis drei im Querformat für Ankündigungen. Sauber benannte Dateien mit Credits („Bandname_Pressefoto_2026_Foto_Mustermann.jpg"). Ohne verwertbare Fotos findet kein Veranstalter Material für Promotion — und die Band wird übergangen.
3. Streaming- und Video-Links
Direktlinks zu Spotify-Artist-Profil, Apple Music, YouTube-Kanal. Ein oder zwei aktuelle Live-Videos (keine Demos, keine zehn Jahre alten Aufnahmen) — idealerweise Full-Song-Versionen, die die Live-Qualität zeigen. Für Booker ist ein Live-Mitschnitt wichtiger als der perfekteste Studio-Track.
4. Live-Statistiken und Venue-Historie
Die letzten 12–24 Monate Gig-Historie: Datum, Venue, Stadt, Auslastung. Bei Support-Shows den Headliner nennen. Bei eigenen Shows die Besucherzahl. Keine Übertreibungen — Booker kennen die Venues und erkennen unrealistische Zahlen sofort.
5. Pressestimmen und Kontextreferenzen
Drei bis fünf Zitate aus Pressebesprechungen, Blog-Features oder Radio-Interviews mit Quellenangabe und Datum. Keine selbst formulierten Kundenstimmen. Wer keine Pressestimmen hat, lässt diesen Block lieber weg, statt ihn mit schwachen Zitaten zu füllen.
6. Technische Unterlagen — Rider und Stageplot
Ein kompakter Technical Rider (Was die Band technisch braucht: Mikrofone, Monitore, FOH-Wünsche), ein Stageplot (wer steht wo, wo steht welches Gear) und ein Hospitality Rider (Getränke, Verpflegung, Umkleide-Bedürfnisse, realistisch gehalten). Diese Dokumente sind ab dem ersten ernsthaften Club-Gig Pflicht.
7. Kontakt und nächste Schritte
Ein klar benannter Ansprechpartner für Booking-Anfragen, ein separater für Presse-Anfragen (wenn vorhanden), funktionierende Mail-Adressen, idealerweise auch Telefon für zeitkritische Anfragen. Nichts verlangsamt Deals so zuverlässig wie Kontaktadressen, die nicht beantwortet werden.
Presskit-Hosting: Drei praktikable Wege
Ein EPK kann auf verschiedenen Wegen bereitgestellt werden. Drei funktionieren 2026 besonders gut:
Eigene Landingpage auf der Band-Website. Typisch unter /presse/ oder /epk/. Vorteil: volle Kontrolle über Design und Struktur, sauberes SEO, keine Abhängigkeiten. Nachteil: Aufwand in der Pflege — Fotos und Statistiken müssen aktiv aktualisiert werden.
Dedizierte EPK-Dienste.Sonicbids, Bandzoogle oder Disco bieten strukturierte Templates mit direkter Integration zu Streaming- und Audio-Plattformen. Für Bands ohne eigene Website oder mit wenig Entwicklungs-Ressourcen ein schneller Einstieg.
Notion- oder Google-Sites-Landingpages. Immer mehr Bands nutzen ein öffentliches Notion-Dokument oder eine Google-Site als EPK — einfach zu pflegen, kostenlos, leicht teilbar. Für die frühe Karriere praktikabel, bei stärker kuratierten Anfragen wirkt es weniger professionell als eine eigene gestaltete Seite.
Typische Fehler, die Booker sofort erkennen
Veraltete Assets. Ein Foto von 2022 in einer Besetzung, die es heute nicht mehr gibt. Ein Release-Link, der auf einen Song aus dem letzten Album zeigt, während schon eine neue EP draußen ist. Ein EPK, das nicht mindestens alle 6 Monate aktualisiert wird, signalisiert Inaktivität.
Zu viel Text ohne Hierarchie. Ein dreiseitiges PDF mit umfassender Geschichte der Band, aber ohne klare Top-Highlights. Booker lesen die ersten 150 Wörter — alles, was danach kommt, ist Füllmaterial. Struktur vor Umfang.
Fehlende technische Unterlagen. Ein Presskit ohne Stageplot und Rider ist für größere Venues unbrauchbar. Der Veranstalter muss beide Dokumente anfordern, bevor er den Gig überhaupt bestätigen kann — und jede zusätzliche Mail verlangsamt den Prozess.
Generische Kontakt-Adressen ohne Zuständigkeit. „info@band.de" ohne Angabe, wer dahintersteht. Seriöse Anfragen werden an konkrete Personen gerichtet, nicht an ein anonymes Postfach.
Dead Links. Ein Spotify-Link, der ins Leere führt, ein YouTube-Video, das nicht mehr verfügbar ist. Ein EPK ohne funktionierende Links wird nach 30 Sekunden geschlossen.
Wie oft ein Presskit aktualisiert werden sollte
Ein EPK ist kein „einmal anlegen, dann fertig"-Dokument. Die sinnvolle Rhythmik:
Alle 6 Monate: Fotos und Gig-Historie aktualisieren, alte Links prüfen.
Nach jedem Release: Streaming-Links, neue Pressestimmen, aktualisierte Bio (neuer Release im Kontext erwähnt).
Vor jeder größeren Bewerbungsphase (Agentur-Suche, Festival-Saison): Komplett-Check aller Bausteine.
Wer das Presskit nicht pflegt, hat schnell einen Zustand, der schlechter ist als gar keins — weil er Inaktivität signalisiert.
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